Zwischen München, Zollverein und Bilbao wurde meine Haltung klarer – und meine Umsetzungsgrenze sichtbar.
Der Juni führte mich nach München, auf Zollverein und nach Bilbao. Beim Nextcloud Summit und beim HPW-Digital-Forum ging es um Open Source, digitale Souveränität und belastbare Prozesse. In Bilbao rückten Kunst, Architektur und die Frage in den Mittelpunkt, wie Gestaltung Strukturwandel unterstützen kann.
Parallel arbeitete ich an den Kursen „Unbusy“ und „Speed Reading“ und entwickelte meine zwölf Leitfragen für das Lesen. An der 5-Tage-Challenge, dem Workshop und dem Bootcamp kam ich dagegen nicht weiter.
Das wichtigste Learning des Monats: Impulse werden erst wertvoll, wenn ich ihnen Zeit zur Verarbeitung gebe.
Open Source first – diesmal als klare Entscheidung
Anfang Juni war ich in München um dort an dem Nextcloud Summit 2026 teil. Das deutsche IT-Unternehmen feierte im Jahr 2026 außerdem sein zehnjähriges Bestehen und ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie begeistert ich die damalige Ankündigung aufgenommen hatte, dass die Gründer der Nextcloud eine Open Source-Lösung als Alternative zu den BigTech-Angeboten aufbauen wollten.
Vor zehn Jahren erschien mir die Software noch nicht wert, über einen Wechsel nachzudenken. Als ich mich dann vor einem Jahr noch einmal intensiv mit Open Source auseinanderzusetzen begann, fiel die Entscheidung für die Nextcloud deutlich überzeugter aus. Die Aussichten ihrer Agenda 2030 sind deutlich positiv, vielversprechend und zukunftsweisend.
Ich selbst nutze die Nextcloud nun seit mehr als einem Jahr für meine eigene Datenablage, experimentiere mit der Plattform und auch Fibery als weiterer Baustein meiner eigenen Infrastruktur ist mir seit etlichen Monaten ein wertvolles Steuerungsinstrument.
Die Gespräche und Vorträge in München zur Nextcloud haben mich nun einmal mehr darin bestärkt, die Entscheidung „Open Source first“ noch stringenter umzusetzen.
Open Source ist für mich auch eine Frage digitaler Souveränität: Datenhoheit, Zugriffsrechte, Anpassungsfähigkeit und weniger Abhängigkeit von einzelnen Anbietern. Das Risiko eines Vendor-Lock-ins zog sich durch fast alle Vorträge und Gespräche.
Daher nehme ich diese Anregungen nun als konkrete Prüfaufträge für mich sebst und meine Mandanten mit:
- WordPress, Nextcloud und MariaDB stärker miteinander verbinden,
- Werkzeuge für Kommunikation und Zusammenarbeit richtig ausprobieren und
- die jeweils angebotenen Apps und KI-Tools in der Praxis zu testen.
Dabei interessiert mich im Ergebnis nicht die technisch komplizierteste Lösung, sondern eine Infrastruktur, die nachvollziehbar und verständlich, leicht zu pflegen und langfristig tragfähig ist.

Direkt nach dem Nextcloud Summit 2026 München folgte das HPW-Digital-Forum auf Zollverein. Nach CUT 2026, den Veranstaltungen von Stotax und KPMG sowie der Tax Arena im Frühjahr verdichtete sich dort ein Eindruck:
Die entscheidende Frage lautet nicht, welche Software möglichst viele Funktionen bietet und ob alle Prozesse umfassend digitalisiert werden sollten. Entscheidend ist und bleibt, ob Prozesse, Zuständigkeiten, Dokumentation und Kontrollen so aufeinander abgestimmt werden können, dass sie einen fühlbaren Mehrwert bieten und die Menschen in den Unternehmen ihre digitalen Helfer erleben und als wertvolle Bereicherung – und eben nicht als Bedrohung – wahrnehmen.
Besonders wertvoll waren daher die persönlichen Gespräche zu den Praxiserfahrungen der Anwender bei der Einführung von künstlicher Intelligenz in den Verwaltungsabteilungen ihrer Unternehmen und im Vergleich oder in Ergänzung dazu der Austausch mit den Anbietern von Softwarelösungen, die mit Hilfe von KI-gestützten Verfahren und Prozessen gute Ergebnisse in Produktion und Verwaltung der Unternehmen anbieten.
Dieser Erfahrungsaustausch ist für meine Arbeit mit GoBD, IKS/SKS und Verfahrensdokumentation, steuerlicher Risikobeurteilung und Qualitätsmanagement besonders relevant. Einige Kontakte möchte ich im zweiten Halbjahr gezielt wieder aufnehmen.
Bilbao: Gestaltung, Kunst und Strukturwandel
Ende Juni war ich mit einer Freundin in Bilbao. Wir sind viel gelaufen, haben gut gegessen, lange gesprochen und die Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven gemeinsam erkundet.
Mich interessierte besonders der sogenannte Bilbao-Effekt. Das Guggenheim-Museum gilt als sichtbares Symbol für den Wandel der ehemaligen Industriestadt. Vor Ort wurde jedoch deutlich, dass ein einzelnes Gebäude keinen Strukturwandel bewirkt. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Architektur, Infrastruktur, öffentlichem Raum, Kultur und langfristiger Planung.
Im Guggenheim beschäftigte mich besonders die Ausstellung „Jasper Johns: Night Driver“. Seine Arbeiten öffneten für mich Verbindungen zu Munch, Magritte, Duchamp, Cage, Cunningham und Rauschenberg. Zeichen, Alltagsobjekte und vertraute Formen verlieren bei Johns ihre Selbstverständlichkeit und werden neu befragbar.
Darin liegt für mich wieder eine Verbindung zur Salon-Idee. Ein Salon braucht nicht nur interessante Themen. Er benötigt einen Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven sichtbar, Unterschiede und Widersprüche ausgehalten und miteinander verhandelt werden können.
Bilbao hat mir erneut gezeigt, dass Gestaltung nie nur Oberfläche ist. Sie beeinflusst, wie Menschen sich bewegen, begegnen und miteinander ins Gespräch kommen.

Viel gelernt – wenig umgesetzt
Zwischen München und Bilbao arbeitete ich intensiv die vier Lektionen von „Unbusy Yourself“ und an zwei der vier Lektionen des ersten „Speed-Reading-Mastery“-Kurses von Erika Magyarosi.
Beim Speed Reading interessierte mich zunehmend – wie schon im Monatsrückblick für April 2026 beschreiben – nicht alleine die Frage, wie ich meine reine Lesegeschwindigkeit erhöhen könnte. Immer wichtiger erscheint die Frage, mit welchem Ziel ich zukünftig lese und nach welchen Kriterien ich entscheide, welche Inhalte eine vertiefte Beschäftigung verdienen und bei welchen ich zukünftig früher das Studium der Texte abbreche.
Daraus entstand mein Artikel: Die 12 Leitfragen, mit denen ich künftig lese. Diese 12 Leitfragen sollen mir künftig helfen, Wissen nicht nur aufzunehmen, sondern zu prüfen, einzuordnen und mit meiner Arbeit zu verbinden.
Gleichzeitig blieb die Entwicklung der 5-Tage-Challenge, des Workshops und des 21-Tage-Bootcamps im Juni liegen. Reisen, Veranstaltungen und Kurse ließen kaum längere Arbeitsblöcke zu.
Das war keine überraschende Erkenntnis. Neu war jedoch die Klarheit der Konsequenz: Mehr Input löst mein Umsetzungsproblem nicht.
WERTstatt-Notiz des Monats
Beobachtung: Viele gute Impulse führten zu einer noch längeren Liste offener Ideen.
Erkenntnis: Wissen schafft erst Wert, wenn es geprüft, verbunden und angewendet wird.
Konsequenz: Im dritten Quartal haben Abschluss, Veröffentlichung und Umsetzung Vorrang.
Ausblick auf den Juli 2026
- Ich starte in die KI-Blogging-Sommerschool mit Judith Peters und arbeite weiter mit ChatGPT, Claude-Agenten und Mission KI.
- Die offenen Artikel zu Claim, Angebot und Tax to Value sollen abgeschlossen und miteinander verknüpft werden.
- Die 5-Tage-Challenge, der Workshop und das 21-Tage-Bootcamp erhalten Vorrang. Das geplante vierwöchige Testformat wird neu benannt und voraussichtlich auf Mitte oder Ende August verschoben.
Eine Frage an dich
Welche Idee, welches Buch oder welches Gespräch wartet bei dir noch darauf, verarbeitet und umgesetzt zu werden? – Schreib es gern in die Kommentare.

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