Monika Wyrobisch

Tax to Value – das Prinzip unternehmerischer Souveränität.

Ordnerlogik, Benennung, Tags – das Minimal-Setup für eine digitale Ablage, die trägt

Struktur einer digitalen Ablage mit Ordnerlogik, Benennungsregel und Tags im Minimal-Setup

Wenige Regeln, strikt umgesetzt: so entsteht Auffindbarkeit ohne Chaos

Digitale Ablagen wachsen selten geplant. Sie entstehen nebenbei – Datei für Datei, Projekt für Projekt.

Irgendwann ist alles „irgendwo“ abgelegt. Und trotzdem kostet jede Suche mehr Zeit, als sie sollte.

Das liegt selten an fehlender Disziplin. Es liegt daran, dass zu viele Ausnahmen zu viele Entscheidungen erzeugen und dieser Entscheidungsstress das Gegenteil von Verlässlichkeit ist.

In diesem Beitrag bekommst du ein Minimal-Setup, das du tool-unabhängig nutzen kannst:

  • ein klares Ordnergerüst,
  • eine einfache Benennungsregel und
  • ein kleines Tag-Set.

Nicht als „perfektes System“, sondern als tragfähigen Rahmen, mit dem du Dateien in Sekunden wiederfindest – ohne später alles neu sortieren zu müssen.

Mit drei Dingen:

  • einem klaren Ordnergerüst,
  • einer einheitlichen Benennungsregel und
  • einem kleinen, konsequent genutzten Tag-Set.

Prinzip: wenige Regeln, hohe Konsequenz

Die meisten Ablagen scheitern nicht an „zu wenig Struktur“, sondern an zu vielen Ausnahmen.

Denn jede Ausnahme erzeugt Entscheidungsstress und Entscheidungsstress ist das Gegenteil von Verlässlichkeit.

Minimal-Setup heißt daher:

  • 1 Ordnerlogik, die du nicht diskutieren musst.
  • 1 Benennungsregel, die immer gilt.
  • 1 Tag-System, das nur ergänzt wird, wenn es wirklich Nutzen bringt.

Goldene Regel:
Wenn du eine Datei nicht innerhalb von 20–30 Sekunden wiederfindest, ist dein System nicht „noch nicht fertig“, sondern zu komplex oder zu inkonsequent.



Ordnergerüst: Mandanten-Light (mit Ordnerbaum)

Es empfiehlt sich, die Anzahl der Ordner auf 4 bis 7 zu beschränken, damit ein Mensch die Übersicht behält.

Die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses ist begrenzt – der Mensch kann hier zum Beispiel nur etwa vier Informationen gleichzeitig aufnehmen.

Der Autor und Produktivitätscoach Tiago Forte reduziert in seiner PARA-Methode Ordnung auf vier Kategorien, um die Komplexität seines Notiz- und Ablagesystems niedrig und Entscheidungen leicht zu halten. PARA steht für

  • Projects,
  • Areas (Verantwortungsbereiche),
  • Resources und
  • Archive.

Ein Vierer-Raster, das Ordnung eher an einem kontinuierlichen Arbeitsprozess ausrichtet statt an einem „Ablagegefühl“, damit Wissen nicht nur gesammelt, sondern gezielt für konkrete Ergebnisse nutzbar gemacht wird.

Für unsere Zwecke habe ich das Prinzip übernommen (wenige Kategorien, hohe Konsequenz) und auf sieben Meta-Räume erweitert, weil Buchführung, Verträge und Projekte andere Querbezüge haben als ein persönliches Notizsystem.

Meta-RaumInhaltLeitfrage
0 InboxEingang zu verarbeitender InformationenWie, von wem und in welcher Art und Weise muss ich die Information verarbeiten?
1 – Identität & FührungZiele, Werte, Vision, Strategie, Verträge, Person, RollenWer bin ich als Unternehmerin – und was steuere ich bewusst?*
2 – Finanzen & SteuernBuchführung, Bank, Zahlungen, Steuer, Controlling, JahresabschlussWie fließt Geld – und wie wird es geführt, dokumentiert, reflektiert?
3 – Kund:innen & LeistungenAngebote, Projekte, Prozesse, Ergebnisse, KommunikationWem diene ich – und wie schaffe ich Wert?
4 – Organisation & SystemeTools, Abläufe, Checklisten, Standards, IKS, DMSWie wird Arbeit verlässlich, wiederholbar und frei von Chaos?
5 – Wissen, Marketing & ContentKurse, Notizen, Glossar, Blog, Social Content, PräsentationenWie wird Wissen aufgebaut, geteilt und in Wert verwandelt?
6 – Archive Erledigte Dokumente, ProjekteBis wann wird das Wissen noch benötigt?

Warum genau so?

  • Jahr nur dort, wo Masse entsteht (Steuer/Finanzen).
  • Verträge bleiben nach Beziehung (Kunde/Lieferant), nicht nach Jahr – Verträge „leben“ über Jahre.
  • Projekte getrennt, weil sie quer über Steuer/Finanzen/Verträge laufen.
  • Archiv ist ein Ziel, kein Zwischenordner: Was dort ist, wird nicht mehr angefasst.

Benennung

YYYY-MM-DD_Absender_Betrag_Thema (Varianten)

Standard-Regel (für Belege & Nachweise)

YYYY-MM-DD_Absender_Betrag_Thema

Beispiele

  • 2026-02-16_Amazon_49,99_Ersatzteile.pdf
  • 2026-01-31_Telekom_89,95_Rechnung_012345.pdf
  • 2026-02-05_KundeMeyer_1.200,00_Anzahlung_ProjektX.pdf

Varianten, wenn’s sinnvoll ist

1) Wenn es eine eindeutige Nummer gibt (Rechnung, Vertrag):
YYYY-MM-DD_Absender_DokNr_Betrag_Thema

  • 2026-02-05_Telekom_RG-778899_89,95_Mobilfunk.pdf

2) Wenn kein Betrag existiert (z. B. Vertrag, Schreiben):
YYYY-MM-DD_Absender_Thema

  • 2026-02-01_Vermieter_Mietvertrag_Nachtrag.pdf

3) Für E-Mails als PDF/EML (Quelle sichtbar machen):
YYYY-MM-DD_quelle:email_Absender_Thema

  • 2026-02-10_quelle:email_Finanzamt_Stundung_Antrag.pdf

Mini-Leitplanken, die Ärger vermeiden

  • Datum immer ISO (YYYY-MM-DD), sonst sortiert nix sauber.
  • Betrag mit Komma oder Punkt, aber einheitlich (Deutsch: 1.200,00 ist ok).
  • Keine Sonderzeichen wie : * ? < > | (Windows meckert).
    Wenn du Namespace-Tags nutzt, kommen die in Tags, nicht in Dateinamen.

Tags: wofür, wann, wie viele?

Wofür Tags gut sind:

  • Statussteuerung (offen/bezahlt/archiv)
  • Herkunft/Quelle (email/scan/system)
  • Verantwortlichkeit oder Zuordnung (projekt/bereich)

Wann Tags Sinn machen:

  • Wenn du regelmäßig suche + filterst (z. B. „alle offenen Belege aus Portal“).
  • Wenn mehrere Personen arbeiten oder du später an Mandant:innen übergeben willst.

Wie viele?

Starter: 3–6 Tags pro Datei max.

Mehr ist meistens ein Zeichen, dass du gerade kategorisierst statt arbeitest.

Starter-Tag-Set (Empfehlung)

Pflicht-Namespaces

Jahr

  • jahr:2026 (oder bei dir alternativ vz:2026 – nimm eins, bleib dabei)
  • jahr:2025

Bereich

  • bereich:finanzen
  • bereich:vertrag
  • bereich:projekt
  • bereich:steuer

Status

  • status:offen
  • status:inpruefung
  • status:bezahlt
  • status:archiv

Quelle

  • quelle:email
  • quelle:portal
  • quelle:scan
  • quelle:system

Optional (sparsam einsetzen)

  • person:kunde_x
  • person:lieferant_y



Originalpublikation: Lukas Alexander Hahn, Dmitry Balakhonov, Erica Fongaro, Andreas Nieder, Jonas Rose: Working memory capacity of crows and monkeys arises from similar neuronal computations, in: elife, 2021, DOI: 10.7554/eLife.72783

Pressemeldung: Begrenzter Speicherplatz bei Menschen und Vögeln | dasGehirn.info – der Kosmos im Kopf

Build a Secon Brain: Capturing, Organizing, and Sharing Knowledge Using Digital Notes, Tiago Forte

Master Your Week: The PARA Method for Ultimate Productivity, Tiago Fuerte


Was du mitnimmst – und wie es weitergeht

Du hast jetzt ein Minimal-Setup, das nicht „schön“ wirken muss, sondern trägt: ein überschaubares Ordnergerüst, eine klare Benennungsregel und – falls dein Tool das unterstützt – wenige Tags für echte Querschnittssuchen.

Entscheidend ist nicht Perfektion, sondern Konsequenz: Wenn du Dateien ohne Nachdenken innerhalb von 30 Sekunden wiederfindest, funktioniert dein System.

Im nächsten Beitrag schauen wir darauf, woran du eine gute Ablage erkennst – nicht nach Bauchgefühl, sondern anhand klarer Kriterien und aus dem Blickwinkel der GoBD. Dann wird aus „Ordnung“ Nachvollziehbarkeit.

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